Mit Xanten verbinde ich seit jeher die Nibelungensaga. Hier – Literaten mögen mir verzeihen – zur Erinnerung noch einmal das ca. 2400 Strophen (!) umfassende Epos in aller Kürze.
Siegfried, in voller Blüte stehender Sohn König Siegmunds von Xanten hört von der unvergleichlich schönen Krimhild, der Schwester König Gunthers von Burgund und macht sich auf den Weg nach Worms, sie zu freien. Mutig kämpft er auf seiner Reise einen feuerspeienden Drachen nieder und besiegt das Zwergen-Volk der Nibelungen. Von ihnen erbeutet er u. a. den Nibelungen-Ring, eine Tarnkappe und einen unermesslichen Schatz. Eine gute Partie, frohlockt Krimhild. Doch zuvor verhilft Siegfried, mittels seiner Tarnkappe, Gunther beim Wettstreit mit dessen umworbenen Brünhild zum Sieg. Man feiert Doppelhochzeit und ist glücklich – bis sich die Damen wegen banalem Kompetenzgerangels angiften und Krimhild voller Wut den Betrug ihres Gatten im Wettstreit offenbart. Hasserfüllt lässt Brünhild daraufhin Siegfried ermorden. Auf Rache sinnend heiratet Krimhild den Hunnenkönig Etzel und richtet mit dessen Hilfe ein Blutbad unter den Burgunden an, dem letztlich auch sie selbst zum Opfer fällt. Wie sagte schon Konfuzius: „Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber.“
Xanten hat eine Altstadt, und drumherum eine antike Mauer und da wieder drumherum einen Kurpark. Meine Frau und ich hatten unser Auto etwas abseits abgestellt und schlenderten nun durch den wunderschön angelegten und liebevoll gepflegten Park, vorbei am Gradierwerk, einer 9 Meter hohen und 25 Meter langen Holzkonstruktion, die für angenehme, salzhaltige Luft sorgt. Fast wie an der Nordsee. Als wir dann die im 14. Jh. erbaute Stadtmauer passierten, erwartete uns eine zum Bersten gefüllte Schatzkiste historischer Höhepunkte. Da war gleich vorneweg der Dom St. Viktor aus dem 16. Jh. Mit seinen beiden über 70 Meter hohen Türmen ragt dieses im gotischen Stil errichtete Gotteshaus weit über Xanten hinaus. Atemberaubend üppig ausgestattet ist die Kirche mit etlichen Altären, einer Vielzahl von Bildwerken und wunderschönen sakralen Kunstgegenständen. Nur wenige Schritte weiter bestaunten wir das Gotische Haus mit einer aufwendigen Fensterfassade und einem kunstvollen Treppengiebel. Als eines der ältesten Gebäude Xantens beherbergt es heute ein Café und Restaurant. Gleich nebenan besuchten wir die evangelische Kirche. Das im 17. Jh. im barocken Stil errichtete Gotteshaus mit seinem schmucken Turm ist im Weiteren angenehm schlicht gehalten. Übrigens, Platzgründe auf dem kircheneigenen Friedhof machten es erforderlich, die verstorbenen Gemeindemitglieder über mehr als 100 Jahre im Kellergewölbe der Kirche beizusetzen. Als nächstes besichtigten wir die imposante Kriemhildmühle. Anfang des 19. Jh. entstanden aus einem Wehrturm auf der Stadtmauer ist die Windmühle bis heute in Betrieb, kann besichtigt werden und ist sehr beliebt für seine selbst gebackenen Teigwaren, die man auch gleich im Open Air-Café genießen kann. In wieder nur wenigen Gehminuten erreichten wir das Klever Tor. Ein wuchtiges, dreistöckiges Stadttor aus dem 14. Jh. Besucher der Stadt mussten und müssen zwei Rundtürme passieren um dann über einer Brücke zum stark befestigten Haupttor zu gelangen. Ein beeindruckendes Bollwerk. Den Tag ließen wir ausklingen im großzügig angelegten Archäologischen Park, in dem so imposante Bauwerke wie bspw. das Amphitheater für ca. 10.000 Besucher oder Bauteile des antiken ca. 25 Meter hohen Hafentempels nachgebaut wurden. Nun doch einigermaßen geschafft kehrten wir noch ein im Restaurant der im Park gelegenen historischen Siegfriedmühle. Quasi reichlich in der Antike und im Mittelalter gebadet, hatten wir bei weitem noch nicht alles gesehen. Es fehlten noch viele sehenswerte antike Gebäude und Wehrtürme, die vier Museen, die Xantener Nord- und Südsee, die, die, die … Gründe also genug, bald wiederzukommen!
Erstmals erschienen im „Schleidener Wochenspiegel“ unter der Rubrik „Schon mal dort gewesen?“.













