Durbuy/Belgien

Rund 1,5 Millionen Touristen besuchen jährlich das Kleinod in den Ardennen – und ich kannte nicht einmal den Namen dieser Stadt. Neugierig geworden, genossen meine Frau und ich die anderthalb stündige Autofahrt durch die Eifel und die Ardennen bereits als ein eindrucksvolles Erlebnis. Wir fuhren gemütlich durch Wälder und hübsche Belgische Orte mit schönen Grauwacke-, Klinker- oder Kalksteinhäusern. Bis plötzlich, unter uns im Tal, Durbuy auftauchte. Schon dieser erste Eindruck versetzte uns in ungläubiges Staunen. Ein Schloss, wie es schöner kaum sein kann, thront auf einem Felsvorsprung. Eng, gleichsam schutzsuchend, schmiegen sich darunter kleine, hellgraue Häuser aneinander mit einer hochaufragenden Kirche in der Mitte. Und ein silberblauer kleiner Wasserlauf, die Ourthe, fließt in einer Windung um Durbuy herum, so, als wolle es das Städtchen freundschaftlich in den Arm nehmen. Dieser erste Eindruck war wie aus dem Märchenbuch! Unsere Welt ist wunderschön!

In der Tourismuszentrale erklärte man uns selbstbewusst und mit Stolz, in der kleinsten Stadt der Welt, mit sage und schreibe ca. 400 Einwohnern, zu Gast zu sein. Und den Beinahmen „Saint-Tropez der Ardennen“ hätte man auch! Nahmen wir das Attribut „kleinste Stadt der Welt“ schon mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, suchten wir vergeblich nach Motoryachten im nur hüfthohen Flüsschen und einen mondänen Eindruck vermittelte das historische Örtchen auf den ersten Blick auch nicht…

Vor der überschaubaren Runde durch diese smarte Stadt gönnten wir uns zuerst einmal ein gutes Gläschen Crémant. Gelegenheit dazu gibt es reichlich. Schmucke Restaurants, Bars und Cafés, nur unterbrochen von aparten Läden und Boutiquen, reihen sich eng aneinander. Mit Hilfe einer – natürlich ebenfalls nur kleinen – City-Mapp schlenderten wir durch die beinahe 800 Jahre alten gepflasterten Gassen und Sträßchen, sämtlich gesäumt von hübschen, äußerst gepflegten Kalksteinhäusern. Im Altstadtzentrum, vorbei an bildschönen Fachwerkbauten, besuchten wir die recht schlicht gehaltene 400 Jahre alte spätbarocke St. Nikolas-Kirche. Wir bewunderten die „Rue Daufresne de la Chevalier“, die älteste mit lauter Flusskieseln aus der Ourthe gepflasterte Straße. Auch dem „Parc des Topiaires“ statteten wir einen Besuch ab. Er ist der größte Formschnittkulturengarten Europas mit mehr als 250 aus Buchsbäumen fein säuberlich geschnittenen Figuren. Von dort aus hatten wir einen grandiosen Blick auf das majestätische Schloss. Nicht zu übersehen ist die Antiklinale, eine 35 Meter hohe Felswand, dessen weithin sichtbare Gesteinsschichten mehr als 300 Millionen Jahre alt sind. Nach ca. zwei Stunden und vielen tollen Fotostopps erreichten wir wieder unseren Start/Ziel-Punkt.

Diese winzige, pittoreske Stadt versprüht Charm und Klasse und kokettiert mit Chic, Kultur, Genuss und stilvollem, mittelalterlichem Flair. Megalithen, Höhlen, Grotten, Wassersport, Wälder, im direkten Umland ist das Freizeitangebot riesig. Liebes Durbuy, völlig zu Recht trägst du den Beinahmen „Saint-Tropez der Ardennen“!

Belgisches Bier, würziger Käse, Ardenner Schinken, Konfitürenmanufaktur oder Belgische Waffeln – die Versuchung ist allgegenwärtig! Wir entschieden uns für die sündhaft leckeren Brüsseler Waffeln mit Kirschen und Sahne sowie heißer Schokolade. Köstlich …

Foto und Text: Michael Usadel

Erstmals erschienen im „Schleidener Wochenspiegel“ unter der Rubrik „Schon mal dort gewesen?“.

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