Nur noch wenige Kilometer und die Mosel hat ihr Ziel, die Mündung in den Rhein, erreicht. Und irgendwie hatten meine Frau und ich das Gefühl, dass Winningen, fast im Bereich des Deltas von Mosel und Rhein, als bezaubernde Perle neugierig machen will auf die Mosel, einen der schönsten Flüsse Deutschlands.
Wir erreichten das Dorf mit dem ältesten Winzerfest unseres Landes ohne Mühe über die A 61 und besorgten uns gleich von der Tourist-Info eine prima City-Mapp. Gut, so groß ist der Ort nun auch wieder nicht. Aber es wäre schade gewesen, nicht alle Highlights gesehen zu haben. Unübersehbar ist dann auch gleich im Weinhof, dem „Weinseligen Mittelpunkt“, der Weinhexbrunnen. An eine trinkfeste Kathrin soll er erinnern. Die Dame, Ehefrau eines Winzers, wurde von diesem dabei ertappt, heimlich seinem besten Wein literweise zugesprochen zu haben. Die Folge war eine Tracht Prügel und der Beiname Weinhex. Tja …
Schon vor mehr als 1.000 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, präsentiert sich das Winzerdorf in einer malerischen Optik. Liebevoll gepflegte Fachwerkhäuser säumen die verwinkelten Gassen und schmalen Sträßchen. Dazu zieren überall Weinreben und Blumen die schmucken Häuserfronten, Tore und Nischen. Und die vielen Weinreben, die quer zu den Gassen von Haus zu Haus ranken und dabei ein Blätterdach bilden, geben diesem Örtchen ein ganz besonderes Flair. Schöner geht nicht. Wir bummelten zur ev. Kirche, einer romanischen Basilika aus dem 12. Jh. und weiter zum Museum. In diesem fast 200 Jahre alten ehem. Schulgebäude findet man Interessantes über die Ortgeschichte, den Weinanbau sowie den Autopionier August Horch, dem Sohn des Winzerdorfes. Dann brauchten wir eine kleine Verschnaufpause. Bereits im Ortseingang waren sie uns aufgefallen: schwindelerregende Steillagen, abgestützt von jahrhundertealten Trockenmauern. Und hier wächst seit mehr als 800 Jahren auf schieferbedeckten Böden einer der bekanntesten und hervorragendsten Rieslinge der Welt, der „Winninger Uhlen“. Die Verkostung dieses edlen Tropfens in einem der gemütlichen Weinlokale ließ dann auch unsere Zungen Walzer tanzen. Ein wahres Highlight. Unser Spaziergang führte uns dann weiter zum Marktplatz, zum Rathaus, zum Geburtshaus August Horchs, zur Reichspost und zum Horntor, dem einzig übrig gebliebenen von sechs Stadttoren. Fast hatten wir das Gefühl, dass diese Fülle von bestens gepflegten, historischen Bauten im Wettstreit stehen um die Gunst der Besucher. Übrigens hat Winningen seit etwa 70 Jahren eine beinahe einmalige Besonderheit, den Ortsrundfunk. Unter der Woche, so um 12.00 Uhr und gegen 17.00 Uhr, erschallt im ganzen Dorf durch eine Vielzahl von Lautsprechern eine Erkennungsmelodie, der dann amtliche und sonstige Bekanntmachungen folgen.
Dem Ort einen Besuch abzustatten, ist immer ein besonderes Erlebnis und fast ein Muss. Wer einmal geruhsam durch dieses Winzerdörfchen gebummelt ist, weiß, warum wir so ins Schwärmen geraten.
Erstmals erschienen im „Schleidener Wochenspiegel“ unter der Rubrik „Schon mal dort gewesen?“.













