Hand aufs Herz: Können Sie sich vorstellen, einmal den Duisburger Hafen im tiefsten Kohlenpott zu besuchen? Wohl kaum. Aber lesen Sie doch mal, wie es bei uns dazu gekommen ist: Einst im kalten November luden mich Fotofreunde zu einer Fotosession in genau diesen Hafen ein. Nach dem ersten frostigen Kennenlernen nahm ich mir vor, die Duisburger Sehenswürdigkeit, denn das war sie ohne Zweifel, ein weiteres Mal zu besuchen. 13 Jahren später – im Sommer – war es heuer so weit.
Knapp 1 ¾ Stunden brauchten meine Frau und ich bis zum CONTIPARK Parkhaus City in Duisburg. Von dort sind es dann nur 100 m bis zur Schiffsanlegestelle „Schwanentor“. Da, wo Rhein und Ruhr zusammenfließen, erlebten wir mit der „Gerhard Mercator“ eine gemütliche, aber spannende zweistündige Hafenrundfahrt. So ein bisschen kennen viele ja schon den Hafen. Wir Älteren von den Tatortfolgen mit Schimanski und die Jüngeren von der Fernsehreihe WaPo Duisburg. Ein an Bord unseres Ausflugsschiffes erhältlicher Flyer informierte uns über alles Wesentliche, während der freundliche Kapitän übers Micro sehr unterhaltsam von den Superlativen des 300 Jahre alten Hafens schwärmte. So z. B., dass dieses Logistikzentrum mit einer Ausdehnung von 10 km² der größte (!) Binnenhafen der Welt ist. Auf unserer Rundfahrt durch die meisten der 21 Hafenbecken erfuhren wir, dass in diesem riesigen Drehkreuz jährlich mehr als 20.000 Schiffe abgefertigt werden und dafür rd. 40.000 Arbeitsplätze erforderlich sind. Groß, kernig, ehrlich, laut, ein Ort eben, an dem es ordentlich brummt. Hier riecht es nach Diesel, Stahl und Kaffee. Kaum zu glauben, dass man noch vor gut 100 Jahren die Routen und Frachtraten gelegentlich bei einem Bier in der Hafenkneipe und ggf. auch schon mal im heftigen Disput, aushandelte. Zwischendurch begrüßte uns am Ufer der Meeresgott Poseidon. Eine 10 Meter hohe Bronzeskulptur mit erheiternder Frisur, gefertigt von dem Bildhauer Marcus Lüpertz. Und dann passierten wir die Schrottinsel. Dort werden jährlich ca. 450.000 Tonnen alter Autos und sonst. Geräte recycelt. Gewaltige Kräne und Bagger, fast uns zuwinkend, säumen die Hafenbecken, Tag und Nacht bereit für das Umladen von Stahl, Öl, Gas, Schüttgütern und vielem mehr. Pro Jahr werden rd. 5 Millionen Container im Duisburger Hafen umgeschlagen – etwa 100.000 Stück in der Woche! Der Riese schläft eben nie.
Als wäre das alles nicht schon genug, fahren seit 2011 auf der 10.000 km langen „Trans-Eurasia-Express“-Verbindung wöchentlich rd. 60 fast einen Kilometer lange Güterzüge zwischen dem Duisburger Hafen und – China hin und her. Fahrtzeit: 10 Tage!
Nach einer hochinteressanten, beeindruckenden und auch sehr kurzweiligen Hafenrundfahrt schlenderten wir vom Schiffsanleger aus über die Münzstraße zur nur wenige Minuten entfernten Duisburger Altstadt. Uns empfing eine anheimelnde City mit einer bemerkenswerten Fußgängerzone, der Königstraße. Eine außerordentlich breite Prachtstraße, mit schattenspendendem, parallelem Baumbestand sowie interessanten Skulpturen und wasserspeienden Brunnen. Und alles pikobello, als wäre gerade eben erst geputzt worden. Boutiquen, Läden, Restaurants, Cafés und kleine Grünflächen wechseln einander ab. So war es dann auch nicht schwer, ein Terrassenrestaurant zu finden, in dem wir diesen ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren lassen konnten. Ganz sicher ist, dass wir Duisburg im „Kohlenpott“ in bester Erinnerung behalten werden.
Erstmals erschienen im „Schleidener Wochenspiegel“ unter der Rubrik „Schon mal dort gewesen?“.













